Eingangsvision

Dieser Text entstand nach einer Intensiven Session mit Gemeinschaftsberater Harald Jordan der mich aufforderte, meine persönliche Vision zu zeigen, die mich im Innersten ausmacht und antreibt und die ich durch das von mir initiierte Gemeinschaftsprojekt ausdrücken möchte. Eine leuchtende Vision, aber doch eine eng umrissene Pforte, das wäre wie ein verheißungsvoll brennendes Nadelöhr, durch das ich die Menschen meines Projektes hindurchbitten sollte, sagte Harald. Der Kernsatz zu meiner Vision kam mir noch während des Treffens.

 

 

Vertrauen – das Fundament

 

Diese Gemeinschaft vertraut mir, jeder einzelne. Vertrauen ist das Fundament dieser Gemeinschaft.
Ich kann und will mein ganzes Vertrauen jedem anderen Mitglied schenken. Ich weiß, dass ich dazu immer wieder in der Lage bin und hierhin finde ich von selbst zurück.
Willkommenskultur. Dass ich Vertrauen schenken kann, zeige ich auch dem Fremden und eröffne so den Raum für Begegnung. Die freundliche Aufnahme von Fremden ist mir eigen und ich will mich daran beteiligen, dass dies in einer Willkommenskultur seinen Ausdruck findet.

 

 

Ich in der Gemeinschaft

 

Ich werde aufgenommen, indem ich von allen Mitgliedern der Gemeinschaft bestätigt werde und ich alle Mitglieder der Gemeinschaft aus vollem Herzen bestätige. Ich brauche dazu einen inneren Erkenntnisstand und Reifegrad, den ich habe.
Ich trete ein in eine Gemeinschaft, die nichts weniger als das gemeinsame Leben am selben Ort zum Ziel hat. Entsprechend teile ich alle meine Lebensaspekte. Ich bin hier als Mensch, als Partner, als Teil einer Familie, als Kollege, Geschäftspartner. Als Mann oder Frau, mit allen meinen Gefühlen und Bedürfnissen.
Ich bekenne mich zu Sichtbarkeit und Transparenz. Meine inneren Bewegungen will ich immer wieder mit der Gemeinschaft teilen. Ich werde mich darin üben und daher an Gemeinschaftskreisen, Redestabrunden und Gemeinschaftsbildung teilnehmen. Ich werde mich dafür engagieren, dass Formate, die die Gemeinschaftsbildung unterstützen, gefördert werden, z.B. Männer- und Frauengruppen, Schwitzhütten usw.
Ich komme hier hin als Individuum mit dem Wunsch mich in diese Gemeinschaft zu begeben und an diesem Platz zu leben. Wenn ich einen Partner habe, wird er wie ich individuell andocken. Meine Kinder werden hier mit offenen Armen empfangen und die Gemeinschaft wird gemeinsam dafür sorgen, dass es meinen Kindern hier gut geht.
Ich habe hier keine Dogmen zu fürchten und werde auch selbst keine Dogmen verbreiten. Ich will mit meinen Überzeugungen und Fähigkeiten hier sein und darüber sprechen, weil diese zu mir gehören. Ich missioniere jedoch nicht, will diese nicht auf andere übertragen und messe diesen keine Allgemeingültigkeit zu.

 

 

Ich am Platz

 

Ich erkenne an: Dies ist ein Platz der Aktivität, eine Gemeinschaft in der Pionierphase. Ich beteilige mich jetzt an diesem Projekt, weil ich genau bei dieser Phase dabei sein möchte. Ich bin in meiner Kraft zu gestalten und habe das Vertrauen, mich in das zu begeben, was andere gestalten.
Ich komme bewusst an genau diesen Platz. Es ist eine Begegnung gegenseitigen Vertrauens. Ich vertraue darauf, das zu spüren und bin offen für diesen Dialog. Die Wahrnehmung der Natur und des Ortes sind mir wichtig.
Die Vergangenheit des Ortes als Kinderheilstätte will ich würdigen und auf mich wirken lassen. Ich strebe hin zu einem ganzheitlichen Leben, zur Heilung. Mein schöner Weg dorthin soll gleichzeitig die Botschaft an alle Außenstehenden sein.

 

 

Entscheidungen

 

Ich erkenne an: Oberster Souverän der Gemeinschaft ist die Gemeinschaftsversammlung aus allen Mitgliedern, die ihre Beschlüsse nach Konsens-Prinzipien fasst.
Ich werde mich an Entscheidungen beteiligen, von denen ich mich betroffen fühle. Dazu habe ich eine Stimme und bin gleichberechtigt mit allen anderen Mitgliedern.
Ich werde gehört, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin. Wenn ich einen schwerwiegenden Einwand äußere, wird es mit der Sache zunächst nicht weitergehen. Mein Einwand wird nach den Regeln der Soziokratie angeschaut werden. Begleiter werden mir dabei helfen, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich möchte auf diese Weise für mich sorgen, nicht aber ein Vorhaben blockieren.

 

 

Das Projekt in Resonanz mit mir

 

Thema dieses Ortes ist das ganzheitliche, heilende Leben im Vertrauen. Vertrauen auch auf meine individuelle Kreativität, Stärke und Schönheit, die sich zeigen wenn ich in meiner Mitte bin und es mir gut geht. Vertrauen darauf, dass meine Schaffenskraft erblühen wird und wertvolle Dinge und Beiträge für die Gemeinschaft hervorbringt.
Sowenig das Projekt ein allgemein festgelegtes Thema hat, so groß ist meine Freiheit, mich mit anderen Mitgliedern zusammenzuschließen und sehr bestimmt ein Vorhaben zu verfolgen. Gerade aufgrund dieses Ansatzes, das Umfeld für individuelle Entfaltung zu schaffen, bin ich willkommen mit meinen kreativsten Ideen, kühnsten Träumen und geheimsten Wünschen, um diese im Kreis der Gemeinschaft zum Leuchten zu bringen.
Als Pionier dieser Gemeinschaft bin ich tatkräftig und flexibel. Wenn es um das Grundgerüst der Gemeinschaft geht, ist mir bewusst, dass aus anderen Gemeinschaften ein Schatz an Erfahrungen vorliegt, die diese beim Aufbau gemacht haben. Ich will mich mit Leichtigkeit von diesem Schatz bedienen und nach den besten Rezepten zügig einen Ort errichten, der funktioniert und mir und meinen Vertrauten ein gutes Leben ermöglicht. Ich kann darauf vertrauen, dass die Zeit für meine Ideen und Konzepte kommen wird. Zuallererst möchte ich in Gemeinschaft leben und fühle Leichtigkeit damit, dass meine mitgebrachten Ideen und Konzepte sich im Gemeinschaftskontext wandeln werden.
Ich kann aktiv werden und es gibt einen klaren Weg dafür. Meinen Wunsch, an etwas im Gemeinschaftsraum zu arbeiten zeige ich der Gemeinschaft öffentlich und biete anderen an, mitzumachen. Ich bin dann der Fackelträger eines Vorhabens und für die Einhaltung von Rahmenbedingungen verantwortlich. Wenn ich die Verantwortung abgebe, zeige ich auch den Wunsch an.

 

 

Grenzen

 

Der private Raum wird mir von der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Er wird in gegenseitiger Achtsamkeit von mir und der Gemeinschaft getragen. Darin bin ich Herr und der Raum soll mein ureigener Rückzugsort sein. Als solcher wird er von allen anderen Gemeinschaftsmitgliedern respektiert, wie auch ich ihren Privatraum respektiere. Ich will ihn jedoch nicht zur Ausgrenzung der Gemeinschaft nutzen, und meinen Anspruch auf Privatheit nicht darüber hinaus ausdehnen.
Soweit ich weiche Drogen oder Alkohol regelmäßig einnehme, sehe ich mich hier auf einem Weg, von diesen abzulassen. Solange dies zu mir gehört, werde ich nicht ausgeschlossen und es wird für mich gesorgt sein. Gleichzeitig werde ich die Kultur der Rauschmittel nicht propagieren und andere nicht dazu verleiten, diese einzunehmen und hier auch besondere Rücksicht auf Kinder und Jugendliche nehmen.
Ich bekenne mich zur Gewaltfreiheit, ob in Wort oder Tat. Mit Tätlichkeiten überschreite ich eine Grenze, die von der Gemeinschaft geahndet wird. Meine Neigung zu Wutausbrüchen oder Gewaltanwendung will ich mit der Gemeinschaft teilen und mit ihr einen stimmigen Weg des Umgangs damit finden.

 

 

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